»Wenn im Keller des Consol Theaters ein Saxophon seinen berstenden Klang in den Raum schlägt oder ein wildes Drum-Solo bis draußen zu hören ist, dann wird »Gejazzt« in Gelsenkirchen. Am Donnerstag, den 29.11. war das deutsch-österreichisch-schweizerische Trio von »Kahiba« zu Gast.

Bislang ist die Formation um den Saxophonisten Heinrich von Kalnein nicht zu sehen gewesen im Ruhrgebiet. Nach dem gestrigen Abend dürfte sich dies ändern. Denn das Set der drei Musiker glich eher einem nimmerleeren Zauberkasten denn einem routinierten Konzertablauf. Das Publikum quittierte dies mit stehenden Ovationen. Überraschungsmomente schon beim ersten Stück, Ornette Colemans »Homogeneous Emotions«, reiht sich zwischen dem Saxophon und den Drums ein hölzern klingendes Geräusch, das zunächst irritiert, dann geloopt wird und schließlich rhythmusgebend ist. Solche Überraschungsmomente, in einem ohnehin relativ formlosen Free-Jazz-Stück, sind Ausdruck einer sich bis ins Detail ausbreitenden Soundpalette Kahibas. Deutlich wird dies auch am Spiel von Heinrich von Kalneins Kollegen Gregor Hilbe und Christian Bakanic. Der Schweizer Hilbe war jahrelang in der europäischen Elektro-Szene beheimatet. Selten ist sein Perkussions-Spiel frei von Nebengeräuschen, ständig drängt sich aus dem Laptop neben ihm eine Geräuschkulisse ins Drumset. Es wurschtelt, quietscht und manchmal dienen hierzu auch Gesprächsfetzen, wie im Stück »Fellini«, das dem Filmkomponisten des bekannten Regisseurs, Nino Rota, gewidmet ist. Digitale Folklore Christian Bakanic ist der Jüngste im Trio. Neben seinem Spiel am Piano und Keyboard sind seine Passagen am Akkordeon prägend für Kahiba. Denn auch folklore Stile wie der Tango Nuevo oder der Zydeco werden in die digitalen und elektronischen Klangschichten integriert. Live entsteht so ein unheimlicher Drive, wenn Bakanics Akkordeon aus den Tanzrhythmen bricht, um sich mit von Kalneins Saxophon zu einer lauten Geräuschwand aufzublähen. Von Kalnein, der auch Ausflüge in den Pop-Bereich machte, ist ein nimmermüder Neuerfinder des Jazz. Mit Kahiba beweist er auch, wie dehnbar der Jazz im 21. Jahrhundert geworden ist. Explosiv, Sphärisch oder groovend – live ist Kahiba jedenfalls ein krachendes Erlebnis.«