Der sechste Sinn des Lebens / Begeisternder Auftakt der Jazztage 2014 mit dem aussergewöhnlichen Trio KAHIBA 10.11.2014

Eschen. Kahiba – das klingt irgendwie nach einem Ort in einem der nordafrikanischen Länder. Es klingt nach orientalischem Flair und einem vagen Versprechen auf etwas ganz spezielles. Nun, wenn wir es als einen Ort auffassen wollen, dann ist es ein musikalischer Ort. Ein Ort, in welchem der Sinn des Lebens durch ein lustvolles Eintauchen in einen musikalischen Geist geprägt ist, der sich als beglückendes Lebenselixiervon der melodiösen Schwelgerei bis zur entfesselten freien Improvisation ausbreitet. „The Sixth Sense“ heisst die neue CD des Trios und ja, mit diesem sechsten Sinn des Lebens lässt es sich gut aushalten. Kahiba ist freilich kein tatsächlicher Ort und die Brücke nach Afrika wird konkret über eine Insel geschlagen, die sich Lampedusa nennt – und so ist auch eines der Stücke dieser grossartigen Band betitelt. „Lampedusa“ klingt nach einer wehmütig-hymnischen Sympathierklärung an die afrikanischen Flüchtlinge.

Eindringlichkeit und Versiertheit

Von Anbeginn weg spürt man, dass das kleine Ensemble eine eingeschworene Truppe ist, dass sich die drei Musiker nicht nur bestens kennen, sondern wirklich auch verstehen. Die Band agiert als eine einziger Organismus und selbst in den solistischen Einlagen ist der Atem der begleitenden Musiker immanent im Solopart vorhanden.

Drummer aus Liechtenstein

Das Ganze vorgetragen mit einer ansteckenden Lust am gemeinsamen Musizieren. Jeder der drei ist ein Gestalter, ein Musiker, der aktiv beim Spielen mitkomponiert, musikalische Substanz beisteuert und dann fasziniert verfolgt, was die anderen damit anstellen. Geprägt ist der Sound von einer zwingenden Eindringlichkeit und auch einer faszinierenden Versiertheit im Umgang mit Live-Electronics. Das sind keine effekthascherischen Spielereien, sondern athmosphärische Verdichtungen, die den Stücken eine geheimnisvolle Aura verleihen und auf eine Wahrnehmungsebene hinweisen, die nicht so offensichtlich im Vordergrund steht. Ist vielleicht das mit dem sechsten Sinn gemeint?

Mit von der Partie ist ein Drummer mit liechtensteinischen Wurzeln. Gregor Hilbe begeistert durch ein ungeheuer facettenreiches rhythmisches und musikalisches Spiel und eben seinem subtilen Umgang mit Live-Electronics. Heinrich von Kalnein agiert an den Saxofonen und an der Alt-Querflöte. Sein Spiel strahlt diese unbedingte Intensität aus. Wenn Musik eine Sprache ist, dann hat er etwas zu sagen und seine Mitmusiker bieten ihm die beste aller Plattformen, um zu sprechen.

Christian Bakanic ist der Mann der Tasten und Knöpfe. Er spielt ein chromatisches Akkordeon, begeistert am Flügel und unterstützt die mehr technischen Sounds an einem FENDER Rhodes. Die Tangente-Jazztage 2014 haben mit einem absoluten Highlight begonnen – und man freut sich schon auf die Fortsetzung. (aoe)

 

 

Drei-Länder-Jazz / Konzert Gelsenkirchen Consol Theater 29.11.2012

Wenn im Keller des Consol Theaters ein Saxophon seinen berstenden Klang in den Raum schlägt oder ein wildes Drum-Solo bis draußen zu hören ist, dann wird „Gejazzt“ in Gelsenkirchen. Am Donnerstag, den 29.11. war das deutsch-österreichisch-schweizerische Trio von „Kahiba“ zu Gast.

Bislang ist die Formation um den Saxophonisten Heinrich von Kalnein nicht zu sehen gewesen im Ruhrgebiet. Nach dem gestrigen Abend dürfte sich dies ändern. Denn das Set der drei Musiker glich eher einem nimmerleeren Zauberkasten denn einem routinierten Konzertablauf. Das Publikum quittierte dies mit stehenden Ovationen.

Überraschungsmomente

Schon beim ersten Stück, Ornette Colemans „Homogeneous Emotions“, reiht sich zwischen dem Saxophon und den Drums ein hölzern klingendes Geräusch, das zunächst irritiert, dann geloopt wird und schließlich rhythmusgebend ist. Solche Überraschungsmomente, in einem ohnehin relativ formlosen Free-Jazz-Stück, sind Ausdruck einer sich bis ins Detail ausbreitenden Soundpalette Kahibas.

Deutlich wird dies auch am Spiel von Heinrich von Kalneins Kollegen Gregor Hilbe und Christian Bakanic. Der Schweizer Hilbe war jahrelang in der europäischen Elektro-Szene beheimatet.Selten ist sein Perkussions-Spiel frei von Nebengeräuschen, ständig drängt sich aus dem Laptop neben ihm eine Geräuschkulisse ins Drumset. Es wurschtelt, quietscht und manchmal dienen hierzu auch Gesprächsfetzen, wie im Stück „Fellini“, das dem Filmkomponisten des bekannten Regisseurs, Nino Rota, gewidmet ist.

Digitale Folklore

Christian Bakanic ist der Jüngste im Trio. Neben seinem Spiel am Piano und Keyboard sind seine Passagen am Akkordeon prägend für Kahiba. Denn auch folklore Stile wie der Tango Nuevo oder der Zydeco werden in die digitalen und elektronischen Klangschichten integriert. Live entsteht so ein unheimlicher Drive, wenn Bakanics Akkordeon aus den Tanzrhythmen bricht, um sich mit von Kalneins Saxophon zu einer lauten Geräuschwand aufzublähen.

Von Kalnein, der auch Ausflüge in den Pop-Bereich machte, ist ein nimmermüder Neuerfinder des Jazz. Mit Kahiba beweist er auch, wie dehnbar der Jazz im 21. Jahrhundert geworden ist. Explosiv, Sphärisch oder groovend – live ist Kahiba jedenfalls ein krachendes Erlebnis.

Dawid Kasprowicz

 

 

Softwarepark Zeitung, Konzert Hagenberg 15.06.2011

„Wechselspiel von komponierter Schönheit und intensiver Freiheit … eine höchst anregende Ohren- und Seelenmassage.“

Robert Stubenrauch

 

 

NÖ Nachrichten KW 17/2010 Konzert Amstetten 23.4.2010

Hinreissende Musikperformance

Im Theater Amstetten konnte man am Freitag mit Heinrich von Kalnein einem der eindrucksvollsten Saxofonisten begegnen.

… ein groß aufspielendes Trio, … eine einzigartige Mischung aus Jazz, Musica Brasileira, Zydeco, Eleltronik und „folklore imaginaire“.

Das Trio … gab einen Einblick in die tiefschürfenden Klangwelten einer universellen Musikverschmelzung von pochender Mystik. Die drei Virtuosen unterschiedlichster Herkunft und Generation agierten schlichtweg in bewegender und bewegter Innigkeit. „Kahiba“ leistete meisterliche Klangarbeit. Große Zustimmung von einem intensiv lauschenden Publikum.

Leopold Kogler

 

 

Straubinger Tagblatt, Konzert 09.05.2011

„Kahiba“ machen Lust auf mehr – Konzert im Alten Schlachthof verzückt

„… Kaum auf der schmucken Bühne im Alten Schlachthof, griffen sie sofort in die Vollen und legten mit Turboantrieb los… Damit erweitert sich der akustische Trioklang um die weltumspannende Mannigfaltigkeit elektronischer Sounds und Räume. Häufig spielte Hilbe nur mit den Händen, strich zärtlich über Becken, gab seinem Spiel vor allem in ruhigeren Passagen eine tiefe Wärme und pulsierende Kraft. Manchmal liess er seine speziell präparierten Stöcke wie Derwische über das Schlagzeug tanzen.

Um hinter diesem ausgeprägten Ego nicht unterzugehen, bedarf es schon kreativer Charakterköpfe. Saxophonist Heinrich von Kalnein und Christian Bakanic, ein begnadeter Akkordeonspieler, gleichermaßen bewandert am Flügel und Fender Rhodes E-Piano, fallen garantiert in diese Kategorie. Ihr eigenwilliges Spiel ist poetisch, kammermusikalisch dicht und lebt von einer hohen Spannung zwischen melancholischer Unschärfe und aufwühlenden Auf- und Ausbrüchen… Ohne sich vollständig zu verausgaben, zündeten die drei fulminanten Instrumentalisten bei ihrem Gastspiel ein Feuerwerk an Ideen, intensiven Stimmungswechseln … und packenden Improvisationen ab. Die fast zweieinhalb Stunden, die das gut besuchte Konzert dauerte, vergingen auf jeden Fall wie im Flug und machten richtig Lust auf mehr.

Michael Scheiner

 

 

OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN 15.03.2010

Bunt und unterhaltsam

Jazz: Heinrich von Kalnein, Galerie Maerz Linz (12. März)

Heinrich von Kalnein, in Österreich beheimateter deutscher Saxophonist, lieferte in der gut besuchten Galerie Maerz mit dem burgenländischen Akkordeonisten und Keyboarder Christian Bakanic und dem Schweizer Drummer Gregor Hilbe ein viel beklatschtes Jazzkonzert.

Die meisten Stücke stammen von Kalnein, sind fein gebaut und klug arrangiert, weisen auch ein wenig über den Jazzkontext hinaus. Da klingt eine brasilianische Samba ebenso durch wie ein sentimentaler Tango, betören sanfte Balladen und beeindruckt ein kraftvoller Swing.

Von Kalnein verfügt über einen höchst eleganten Ton und ist bestimmender Richtungsgeber im gut ausbalancierten Trio. Bakanic besticht als umsichtiger E-Pianist und bringt über sein Akkordeon auch eine kräftige Prise Sentiment ins Spiel. Besonders beeindruckte der Schlagzeuger Gregor Hilbe mit seinem präzise treibenden Spiel. Er reiht sich in die große Tradition eidgenössischer Drummer von Pierre Favre bis Lucas Niggli ein. Bunt, vielfältig und äußerst unterhaltsam. Christoph Haunschmid